Wald-Kiefer - heute wird's wild
- Marion Thishen-Hendess
- 1. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Wald-Kiefer - Pinus sylvestris
Passend zu Silvester wird es heute ein wenig „wild“. Nicht im Sinne eines ausgelassenen Jahreswechsels, sondern ganz wörtlich: sylvestris bedeutet wild.
Im Mittelpunkt steht die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), eine unserer wertvollen heimischen Baumarten – auch bekannt als Föhre, Forche oder Rot-Kiefer.
Ein Überlebenskünstler mit langer Geschichte
Die Wald-Kiefer ist ein echter Pionierbaum. Sie wächst dort, wo andere längst aufgeben: an Moorrändern, auf kargen Sand- und Felsböden oder nährstoffarmen Standorten.
Sie ist ausgesprochen:
frosthart
lichtliebend
widerstandsfähig
Mit ihren tiefen Pfahlwurzeln trotzt sie Wind und Wetter – und kann, wenn sie nicht vorher für die Holzproduktion gefällt wird, bis zu 600 Jahre alt werden.
Lichtbaum und Mythologie
Eine ihrer früheren Nutzungen macht die Wald-Kiefer zu einem echten Lichtbaum: Aus dem stark harzhaltigen Holz des unteren Stammbereichs wurden Kienspäne geschnitten – etwa 20 cm lange und fingerdicke Holzspäne. Nach dem Trocknen dienten sie vor allem der ärmeren Bevölkerung als Kerzenersatz und brannten bis zu zwei Stunden, wobei sie gleichzeitig den Raum angenehm mit Kiefernduft und ätherischen Ölen anreicherten. In Tücher gewickelt und in Harz oder Pech getaucht, wurden Kienspäne sogar als Fackeln verwendet.
Diese Rolle als Lichtspender passt wunderbar zum keltischen Imbolc-Lichterfest, das zwischen dem 27. Januar und dem 2. Februar gefeiert wird – in Irland heute als St. Brigid’s Day. Die Kiefer steht dabei symbolisch für:
Langlebigkeit
Ausdauer
Erneuerung und Wiederauferstehung
Baum des Jahres & Blick auf 2026
Im Jahr 2007 wurde die Wald-Kiefer zum Baum des Jahres gewählt.
Für mich passt sie auch hervorragend zum Jahr 2026: Ende Januar beginnt nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Feuer-Pferdes, fast zeitgleich mit Imbolc.
Das Feuer-Pferd steht für enorme Energie, Aufbruch und Wandel kombiniert mit großer Leidenschaft und dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Es ist ein dynamisches Jahr, das schnelle Entscheidungen , neue Projekte und intensive Erlebnisse begünstigt.
Gleichzeitig birgt diese Kraft die Gefahr von Impulsivität und Chaos. Um sie konstruktiv zu nutzen, braucht es Bewusstheit, klare Ziele und innere Ausrichtung.
Hier zeigt sich erneut die Qualität der Wald-Kiefer: Als Symbol für Licht, Feuer und Wiederauferstehung kann sie helfen, eigene Ziele zu beleuchten, Entscheidungen zu klären und mit Ausdauer neue Wege zu gehen – authentisch und kraftvoll.
Heilkraft und frühere Nutzungen
Heute kennen wir die Wald-Kiefer vor allem als Forstbaum und Holzlieferant für Bau, Möbel und Konstruktion. Früher jedoch nutzten die Menschen sie sehr viel vielseitiger:
Frische Kiefernnadeln wurden wegen ihrer durchblutungsfördernden und atembefreienden ätherischen Öle als Badezusatz oder als Erkältungstee verwendet
Bis heute finden sich Kiefernnadelauszüge in Saunaaufgüssen
Aus dem Kiefern-Harz stellte man entzündungshemmende Salben her – gegen rheumatische Beschwerden oder als Erkältungsbalsam
Sogar als Kissenfüllung kamen die harten Nadeln zum Einsatz: Hierzu wurden die langen Nadeln so lange in lauwarmem Wasser eingeweicht, bis die äußere harte Hülle aufplatzte und das weiche Innere, die so genannte Waldwolle, hervorquoll. Nach ausreichend langem Trocknen wurde diese dann vor allem in ärmeren Haushalten zum Stopfen von Kissen und Polstern verwendet.
Waldbaden mit allen Sinnen
Den harzigen, würzigen Duft der Kiefer kannst du bei einem Waldspaziergang oder beim Waldbaden besonders intensiv wahrnehmen – vor allem an sonnigen Wintertagen.Er wirkt befreiend auf die Atemwege, beruhigend auf das Nervensystem und schenkt neue Klarheit.
Das Knacken der Zapfen, der weiche Nadelteppich unter den Füßen, der trockene, lichtdurchflutete Wald – all das macht die Wald-Kiefer zu einem kraftvollen Begleiter für Körper und Seele.
In meinem Youtube-Video findest du Anregungen, wie du dich mit Hilfe der Kiefer zentrieren, entspannen und auftanken kannst.
Kiefernharzsalbe – ein Stück Wald für zuhause
Wenn du dir den Duft und die Wirkung der Kiefer nach Hause holen möchtest, eignet sich eine selbstgemachte Kiefernharzsalbe. Sie:
befreit sanft die Atemwege
fördert Entspannung
hilft bei entzündeten Hautstellen, kleinen Wunden, Splittern
⚠️ Hinweis: Die im Harz enthaltenen Terpene können Hautreizungen verursachen – bitte vorsichtig anwenden.
Zum Sammeln: Verwende die trockenen Harzgallen an der Rinde. Da die Kiefer damit ihre Verletzungen verschließt, nimm bitte nur wenig. Sammle das Harz am besten in einer Dose oder einem Schraubglas, da es sehr klebrig ist.
👉 Rezept:
Für ca 150 g Salbe benötigst du:
25 g Kiefernharz
125 ml Oliven- oder Mandelöl
15 g Bienenwachs oder 9 g Sonnenblumenwachs
eine saubere Konservendose zum Schmelzen des Harzes, Topf fürs Wasserbad, Holzlöffel, Kaffeefilter oder feines Sieb, Cremetiegel
Das grob gereinigte Harz zusammen mit dem Öl in der Konservendose im Wasserbad auf dem Herd langsam schmelzen, bis das Harz völlig gelöst ist, dabei immer wieder umrühren. Anschließend noch einige Minuten sieden lassen, Den Topf vom Herd nehmen und die Flüssigkeit durch den Kaffeefilter gießen, um letzte Verunreinigungen herauszufiltern. Dann das Bienenwachs unter ständigem Rühren in die noch heiße gereinigte Flüssigkeit geben und schmelzen lassen. Die Masse in die Cremetiegel füllen und vollständig erkalten lassen. Den Deckel erst auflegen, wenn die Masse komplett erkaltet ist, damit sich kein Kondenswasser bildet. Im Kühlschrank hält sich die Salbe bis zu 12 Monate.
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